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Bereits in den Schleswigschen Kriegen (1848-1852 und 1864) beobachteten Französische Militärs den Einsatz der preußischen Dreyse Zündnadelgewehre sehr genau. Nach der Niederlage, der mit Lorenz Perkussionsvorderladern bewaffneten, Österreichischen Armee in Königgrätz 1866 im Deutschen Krieg sah sich das Französische Militär gezwungen zu handeln.

Im Sommer 1865 reichten französische Konstrukteure eine Vielzahl von Zündnadelgewehren ein, hierunter war auch Antoine Alphonse Chassepot. Sein Gewehr setzte sich bei den Erprobungen durch, weshalb 400 Stück beschafft worden sind. Durch durch die Niederlage in Königgrätz wurde die Beschaffung des Chassepots nun deutlich beschleunigt, und zwar innerhalb von sechs Wochen. Am 30. August 1866 wurde nun die Infanterieversion des Chassepots eingeführt.

Im Gegensatz zum System der Dreyse Zündnadelgewehre schließt der Verschluss nun durch eine Drehung des Kammerstängels um 90°. Durch die Drehung wird der Verschluss formschlüssig gegen die Systemhülse verriegelt. Auch der Spannschieber hat eine deutliche ergonomische Form gegenüber den Dreyse Gewehren. Das Chassepot nutzt eine längere Patrone mit einem kleineren Kaliber von 11mm.

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Wieso entschied man sich für eine Papierpatrone?

Um die Zeit der Einführung des Chassepots im Jahr 1866 gab es bereits einige andere Ordonnanzgewehre, welche über Metallhülsen verfügten wie etwa das Vetterli, Snider-Enfield oder das „Trapdoor“ Springfield Gewehr.

Die Papierpatrone konnte mit den benötigten Komponenten überall hergestellt werden. Sogar im Feld oder unter Belagerung. Die Metallpatrone hingegen musste durch die Verwendung von Maschinen hergestellt werden. Zu dieser Zeit waren nur wenige Fabriken in Frankreich in der Lage Hülsen zu fertigen.

Produktion des Chassepots

Es wurde angefangen das Chassepot Zündnadelgewehr zügig herzustellen, da das Ziel Vorlag bis 1869 400.000 Gewehre fertig zustellen. Unter anderem wurden die Gewehre in Chatellerault, Mutzig, St. Etienne und Tulle hergestellt. Da die Arsenale jedoch mit der Auftragslage ausgelastet gewesen sind wurde beschlossen auch die Industrie einzuspannen. So wurde Cahen-Lyon beauftragt, welche dann Auftrage an Subunternehmer vergeben hat. Dies führte dazu, dass Chassepots in Großbritannien, Italien, Belgien, Spanien, Österreich und den Niederlanden hergestellt wurden.

Die Chassepot Gewehre wurden mit einem Buchstabenpräfix und einer fünfstelligen Seriennummer versehen:

Chatellerault:A, B, C, D, E (nach 1871)
Mutzig:D, E (vor 1871)
St. Etienne:F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q
Tulle:R, S, T
Cahen-Lyon (bzw. Subunternehmer):U, V
Trainingsgewehre:X
Tabelle 1: Buchstabenpräfixe der Hersteller

Auf der rechten Seite des Laufes wurden die Buchstaben „MI“ (für Kaiserliche Manufaktur), „M“ (für Manufaktur), ME (für Staatsmanufaktur), MN (für Nationale Manufaktur), „MA (für Waffenmanufaktur). Diese sind ebenfalls auf einer Rundscheibe im Holzschaft gestempelt. Die Rundscheibe signalisierte den Staatseigentum am Gewehr. Auch haben einige Gewehre die Schaftkappe mit der Einheit gestempelt.

AAArtillerie-Büchsenmacherkompanie
AVVeteranen-Kanoniere
CBerittene Jäger
CARegiment der Afrikanischen Jäger
CRRemontereiter
DDragonerregiment
ECKavallerieschule
GAGendarmerie in Afrika
GCKolonialgendarmerie
GPPariser Garde
HHusarenregiment
ISanitäter
LUlanen
LEFremdenlegion
LRLeichte Infanterie in Afrika
PPioniere
SPLeichte Kavallerie
ZZouaven

Funktion

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Das Chassepot ist ein Einzellader-Zündnadelgewehr. Um das Gewehr abfeuern zu können muss der Schütze den Verschluss von Hand spannen und den Verschluss durch eine Drehung um 90° öffnen und zu sich ziehen. Anschließend kann die Papierpatrone in die Lademulde eingelegt werden. Der Verschluss kann dann nach vorne geführt werden und durch eine erneute Drehung verriegelt werden. Nun ist das Chassepot feuerbereit. Man entschied sich für das spannen von Hand, da man befürchtete, dass andernfalls beim zurückgleiten der Zündnadel das Anzündhütchen initiiert werden könnte und dabei Gleichzeit der Verschluss nicht verriegelt ist. Beim Spannen von Hand ist der Verschluss beim zurückgleiten der Zündnadel immer noch in verriegelter Position.

Nach dem verriegeln wird die Zündnadel durch den Abzugsstollen gehalten. Nach dem durchdrücken des Abzugs, lässt gibt der Abzugsstollen die Zündnadel frei und wird von der Verschlussfeder nach vorne gedrückt. Die Zündnadel durchschlägt das Papier und das Anzündhütchen der Papierpatrone, welches zur Umsetzung kommt und das Schwarzpulver anzündet. Durch den Gasdruck wird die im Verschlusskopf liegende Dichtung gestaucht und dichtet nun ab, so dass es verschlussseitig zu keiner Gasausströmung kommt. Die Dichtung ist ursprünglich ein relativ kurzlebiges Verschleißteil gewesen, dass in etwa für 200 Schuss konzipiert gewesen ist und danach getauscht werden musste.

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